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Anthroposophische Medizin

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Anthroposophische Medizin

Beitragvon Echium » Mo 19. Okt 2009, 23:31

Die anthroposophische Medizin ist die geisteswissenschaftliche Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin. Sie stützt sich bei der Beurteilung von Gesundheit, Krankheit und Heilung auf die physischen Gesetzmäßigkeiten, die von den Naturwissenschaften erfasst werden, und berücksichtigt gleichwertig die Gesetzmäßigkeiten von Leben, Seele und Geist in ihren gegenseitigen Abhängigkeiten. Physischer Leib, Lebensorganisation, seelische Empfindungsorganisation und geistige lch-Organisation sind gemäß der anthroposophischen Menschenkunde die vier Wesensglieder des Menschen.

Physischer Leib - unbelebt, stofflich, "mineralisch"
Ätherleib (Bildekräfteleib) - Grundlage der Lebensorganisation, "pflanzlich"
Astralleib (Seele) - Grundlage der Empfindungsorganisation und des Gefühlslebens, "tierisch“
Ich-Organisation - Grundlage des individuell Geistigen, "menschlich"

Den mit den Sinnen direkt wahrnehmbaren physischen Leib haben Mensch, Tier und Pflanze in Bezug auf Stoffe und Gesetze mit der leblosen mineralischen Welt gemeinsam.

Der wesentliche Schritt von der Anorganik des Mineralischen zur Organik aller lebenden Organismen ist das Ergebnis der Wirksamkeit der Lebensorganisation (Ätherleib), die eine Gestaltbildung durch Stoffwechsel, Wachstum, Regeneration und Fortpflanzung möglich werden lässt.
Die Empfindungsorganisation (Astralleib) als Träger von Trieben, Instinkten und gefühlshafter Innerlichkeit, die auch Eigenbewegung möglich werden lässt, haben Mensch und Tier gemeinsam.
Des Menschen Selbstbewusstsein und Selbstbeherrschung, die Möglichkeit, sich als Individualität zu begreifen, die der Welt erkennend und verantwortlich handelnd gegenübersteht, ist in seinem geistigen Wesenskern, dem Ich, begründet. Dieses ist die eigentlich menschliche, weil geistige, Dimension, aus der heraus der Mensch Kultur schafft und lernend seine Biografie durchläuft.
Diese Vierheit bewirkt eine differenzierte funktionelle Gliederung des Menschen und die Grundgesetzlichkeit seines Wesens. Der physische Leib ist durch die natürlichen Sinnesorgane wahrnehmbar, die drei anderen Wesensglieder nicht. Sie können zunächst nur mittelbar an ihren Wirkungen im Bereich der sinnlichen Phänomene erkannt werden. Das Zusammenwirken der Wesensglieder in der menschlichen Leiblichkeit bewirkt eine morphologisch-funktionelle Dreiheit von
- Nerven-Sinnes-System mit seinem Zentrum in der Schädelhöhle, aber funktionell in den ganzen Körper hineinwirkend,
- rhythmischem System mit seinem funktionellen Zentrum in der Brusthöhle sowie dem
- Stoffwechsel-Gliedmaßen-System, das funktionell alle Stoffwechselvorgänge und willkürlichen Bewegungsabläufe zusammenfasst und sein Zentrum in den
Stoffwechselorganen der Bauchhöhle und den Gliedmaßen hat.

Dieser leiblichen Dreigliederung entspricht eine seelische Dreigliederung des Menschen:
Nerven-Sinnes-System - Träger des Denkens
Rhythmisches System - Träger des Fühlens
Stoffwechsel-Gliedmaßen-System - Träger des \Tollens

Diese dreigliedrige Ordnung wirkt sich im gesamten Organismus in Organsystemen, Organen, Geweben und Zellen sowohl morphologisch als auch funktionell aus und erfährt in jedem Lebensalter eine entsprechende Modifikation. Zwischen den beiden gegensätzlichen Polen Nerven-Sinnes-System und Stoffwechsel-Gliedmaßen-System vermittelt das rhythmische System und schafft Gesundheit im Sinne einer labilen, stets neu zu schaffenden Gleichgewichtslage, die einem harmonischen Zusammenwirken der Wesensglieder entspricht. Die Entgleisungen aus der gesunden Mittellage ergeben die vielfältigen Krankheitserscheinungen.
Diese Auffassung einer leiblich-seelischen Funktionsordnung, welche den ganzen Menschen als beseelt erkennt, ermöglicht eine umfassende Sicht auf physiologische, pathologische und therapeutische Probleme. Das Therapieziel ergibt sich aus der Aufgabe, den notwendigen Ausgleich der ungleichgewichtigen Kräftesituation wiederherzustellen.
Wer immer ein Ziel vor Augen hat, um das zu kämpfen sich lohnt, der lebt.
Emil Oesch
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Methoden in der anthroposophische Medizin

Beitragvon Echium » Mo 19. Okt 2009, 23:57

Die anthroposophische Medizin benutzt naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Methoden. Die anthroposophischen Ärzte sind der Ansicht, dass dafür neben einer konventionellen
naturwissenschaftlichen Ausbildung eine auf Goethe zurückgehende goetheanistische Methodik zur Erfassung der Lebensprozesse und darüber hinaus eine meditative Fortbildung der Erkenntnisfähigkeit notwendig sind. Diese hat Rudolf Steiner als imaginative, inspirative und intuitive Erkenntnisschritte beschrieben. Seine geisteswissenschaftlichen Forschungsergebnisse werden als Ausgangspunkt für vielfältige Studien und Forschungsaufgaben der anthroposophischen Medizin angesehen. Die Erfahrungen der Naturheilweisen, Physiotherapie, Phytotherapie, Homöopathie, Psychotherapie und künstlerischer Therapien finden gemäß dem anthroposophischen
Menschenbild dabei eine rationale Begründung. Zum Krankheitsverständnis und zur Heilmittelfindung ist eine Forschung erforderlich, die sich auf die oben angegebenen Methoden
stützt. Für die Überleitung von der Pathologie zur Therapie ist dabei stets die Frage zu klären, wie die Organisationssysteme und Wesensglieder bei einem kranken Menschen ineinander greifen und mit welchem Heilmittel aus den drei Naturreichen oder durch welche vom Menschen selbst ausgeübte Tätigkeit eine Heilung des Patienten erzielt werden kann. Die Kenntnis von der Wesensverwandtschaft des Menschen mit den Naturreichen einerseits und mit den von ihm seibst ausgeübten Tätigkeiten andererseits ist dafür die notwendige Grundlage
Für das Krankheitsverständnis der anthroposophischen Medizin ist es wesentlich, dass die leiblichen Veränderungen als Ausdruck der Seele und des Geistes verstanden werden, die sich in ihren Wechselbeziehungen durch Krankheit ebenso offenbaren können wie in den gesunden Äußerungen des Lebens und der Seele. Die psychiatrischen Krankheiten werden in einer differenzierten Entsprechung der oben genannten Leib-Seele-Beziehung auch in ihrem leiblichen Zusammenhang gesehen und behandelt. Unter diesen Aspekten werden auch die therapeutischen Maßnahmen innerhalb der anthroposophischen Medizin getroffen.
Dabei sind besondere Heilverfahren entstanden, wie
a) Arzneimittel nach speziellen pharmazeutischen Herstellungsverfahren,
wie sie auch im Homöopathischen Gesetzbuch (HAB) festgelegt sind, oder für die Metalltherapie die Aufschließung der Substanzen durch Pflanzen (vegetabilisierte Metalle) oder die Anwendung rhythmischer wie auch anderer Prozesse bei der Herstellung besonderer Heilpflanzenzubereitungen,
deren bekanntestes Beispiel die Herstellung von Mistelpräparaten zur Therapie von Tumorerkrankungen ist.
b) Verfahren für äußere Anwendung, wie z.B. Metallsalben, rhythmische Einreibungen und Massagen oder Öldispersionsbäder.
c) Heileurythmie als eine von Rudolf Steiner begründete Bewegungstherapie sowie die künstlerischen Therapien: Plastisch-therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Musiktherapie und Sprachgestaltung als Therapie. Sie alle beziehen den Patienten zu einer aktiven, engagiert übenden Mitwirkung in seinen Gesundungsprozess mit ein.
d) Eine auf dem anthroposophischen Menschenbild und Krankheitsverständnis begründete Psychotherapie, die sich an der geisteswissenschaftlichen Biografik und an der sich aus dem Leib zum Geistigen hin bewegenden seelischen Entwicklung orientiert.

Krankheitsverständnis und Heilmittelerkenntnis nach der anthroposophisch-medizinischen Methode sind in den Grundzügen dargestellt in dem Buch, das Rudolf Steiner in Zusammenarbeit mit Dr. med. Ita Wegman geschrieben hat:
„Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen“ (1925, 5. Auflage, Dornach 1984).

Aus dem vorher Gesagten geht hervor, dass es sich bei der anthroposophisch erweiterten Medizin nicht nur um die Misteltherapie handeln kann, sondern dass aus dem erweiterten Menschenbild und Menschenverständnis auch andere Therapieformen, wie z.B. die künstlerische Therapie, hinzukommen müssen, damit von einer anthroposophisch erweiterten Tumortherapie gesprochen werden kann. Nur durch die Behandlung des ganzenMenschen als Einheit von Leib, Seele und Geist kann eine Gesundung auch bei einem tumorkranken Patienten erfolgen.
Wer immer ein Ziel vor Augen hat, um das zu kämpfen sich lohnt, der lebt.
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Heileurythmie

Beitragvon Echium » Di 20. Okt 2009, 00:14

Die Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die immer aufgrund der Diagnose des Arztes verordnet wird und von einer diplomierten Heileurythmistin (fünfjährige Ausbildungszeit) in Zusammenarbeit mit dem Arzt ausgeübt wird. Sie wurde den Ärzten von Rudolf Steiner als therapeutisches Instrument übergeben. Das bewusste Einwirken durch eine künstlerisch-therapeutische Tätigkeit erfordert zunächst einmal eine differenzierte Kenntnis des gesunden und des kranken Organismus.
Krebspatienten erleben in der Heileurythmie, dass sie die Möglichkeit haben, aktiv etwas zu ihrem Heilungsprozess beizutragen und nicht passiv der Krankheit ausgeliefert zu sein.
Dies führt schon unmittelbar zu einer Verbesserung des Befindens. Das seelische Erleben des Menschen richtet sich auch nach den objektiven Gesetzen der Sprache, die bei der Heileurythmie in der Bewegungsgestaltung ausgedrückt werden kann. Was sich durch das heileurythmische Üben organisch verändert, ist für den Patienten zunächst nicht unmittelbar festzustellen, da es sich um einen langfristigen Prozess handelt, bei dem das erkrankte Organ im Sinne einer Wiederherstellung der Organfunktion und Organgestalt therapiert werden soll.
Es soll versucht werden, eine harmonische innere Ganzheit zu erreichen und dem Patienten das weitere Leben in diesem Zustand zu ermöglichen. Die häufig bei krebskranken Menschen erlebte Kraftlosigkeit kann durch heileurythmische Übungen günstig beeinflusst werden. Das Gleiche gilt für die Lockerung erstarrter Bewegungsformen, indem durch die Steigerung der eigenen Aktivität wieder Zuversicht und Kraft angeregt werden, auch um sich mit der Krebskrankheit biografisch weiter auseinandersetzen zu können.
Die Heileurythmie kann die Kräfteströme im Körper so lenken, dass keine Fremdkräfte als Inseln mehr im Organismus übrig bleiben und damit die Einheit von Leib, Seele und Geist wieder hergestellt wird. Auch kann sie organisch eine Verbesserung von Lymphstauungen bewirken, wie sie ja häufig bei Krebspatienten auftreten. Viele Patienten berichten sogar von einer Linderung der Schmerzen, die nicht nur während der heileurythmischen Übung anhält, sondern auch längerfristig empfunden wird. So kann diese Bewegungstherapie die Wahrnehmung vermitteln, dass man Kräfte und Fähigkeiten in sich trägt, die sonst nicht zum Bewusstsein kommen.
Durch die Heileurythmie wird versucht, die Kräfteströme der Wesensglieder im Organismus, die durch Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder durch die antihormonelle Therapie vielfältig unterbrochen, vermindert oder stark in ihrer Funktion beeinträchtigt worden sind, wieder zu stärken
und zu harmonisieren.
Wer immer ein Ziel vor Augen hat, um das zu kämpfen sich lohnt, der lebt.
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