Hirntumorforum und Hirntumor-Chat

Hirntumor: Informationen und Hilfe für Betroffene und Angehörige

Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Hier ist Platz für Pressemitteilungen rund um Hirntumoren und die Neuroonkologie, hierbei bitte Quelle mit angeben! Auch über neue Entwicklungen aus der Wissenschaft kann berichtet werden.
Forumsregeln
Hier ist Platz für Pressemitteilungen rund um Hirntumore, hierbei bitte Quelle mit angeben! Auch über neue Entwicklungen aus der Wissenschaft bzw. Neuroonkologie kann berichtet werden.

Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Beitragvon Olli » Do 13. Mai 2010, 08:59

Seit Jahrzehnten wird der Wirkstoff Dichlorazetat (DCA, Dichloressigsäure) zur Behandlung von Stoffwechselstörungen eingesetzt, der sogenannten Laktat-Azidose. Evangelos Michelakis von der Universität Alberta und seine Kollegen haben nun menschliche Krebszellen aus der Lunge, der Brust und dem Gehirn mit diesem kleinen Molekül behandelt; die Zellen - egal welcher Tumorart - vermehrten sich nicht mehr ungehemmt und aktivierten stattdessen ihr Selbstmordprogramm. Zudem schrumpften Tumore aus menschlichen Krebszellen, die zuvor in Ratten transplantiert worden waren, wenn die Tiere DCA mit dem Trinkwasser bekamen. Da der Wirkstoff dabei in Konzentrationen eingesetzt wurde, wie sie in der Therapie von Laktat-Azidose üblich sind, könnten Versuche mit menschlichen Krebspatienten sofort beginnen, schrieben die Wissenschafter 2007. Nun wurden die ersten Ergebnisse der Studie veröffentlicht:

By extracting glioblastomas from 49 patients over a period of 2 years and studying them within minutes of removal in the operating room, the team showed that tumors respond to DCA by changing their metabolism. Then, the team treated 5 patients with advanced glioblastoma and secured tumor tissues before and after the DCA therapy. By comparing the two, the team showed that DCA works in these tumors exactly as was predicted by test tube experiments. This is very important because often the results in non-human models tested in the lab do not agree with the results in patients. In addition, the team showed that DCA has anti-cancer effects by altering the metabolism of glioblastoma cancer stem cells, the cells thought responsible for the recurrences of cancer.

In the 5 patients tested, the drug took 3 months to reach blood levels high enough to alter the tumor's metabolism. At those levels, there were no significant adverse effects. However, at some of the higher doses tested, DCA caused nerve malfunction, i.e. numbing of toes and fingers. Importantly, in some patients there was also evidence for clinical benefit, with the tumors either regressing in size or not growing further during the 18 month study



Quelle: http://www.dca.med.ualberta.ca/Home/Upd ... Update.cfm
Benutzeravatar
Olli
Administrator
 
Beiträge: 349
Registriert: Sa 3. Okt 2009, 10:04
Wohnort: Mühltal

Re: Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Beitragvon Olli » Fr 14. Mai 2010, 11:16

Es gibt seit April auch eine Phase I-Studie (NCT01111097) zu DCA bei rezidivierten Glioblastomen in den USA, beendet werden soll diese im April 2011: Study of the Safety and Efficacy of Dichloroacetate (DCA) in Brain Tumors
Benutzeravatar
Olli
Administrator
 
Beiträge: 349
Registriert: Sa 3. Okt 2009, 10:04
Wohnort: Mühltal

Re: Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Beitragvon Olli » Mi 19. Mai 2010, 09:09

Evangelos Michelakis spricht über seine Arbeit (leider auf englisch): http://www.youtube.com/watch?v=RUZn_KnN28w
Es gibt auch noch ein Video über DCA und dessen Wirkweise: http://www.youtube.com/watch?v=HMGL1LiL ... re=related
Benutzeravatar
Olli
Administrator
 
Beiträge: 349
Registriert: Sa 3. Okt 2009, 10:04
Wohnort: Mühltal

Re: Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Beitragvon pkw » Fr 28. Mai 2010, 19:00

Stell dir vor, Krebs ist heilbar – und keiner zahlt
Ein bekanntes Mittel kann bösartige Tumore offenbar wirksam bekämpfen. Die nötigen Studien will aber niemand finanzieren

Evangelos Michelakis ist Grieche, und obwohl er seit Jahrzehnten in Kanada lebt und beruflich höchst erfolgreich ist­­, muss er jeden um Geld bitten, der möglicherweise etwas hergeben würde. Denn der Professor an der University of Alberta erforscht eine Substanz, die ein ziemlich gutes Krebsmedikament sein könnte. Um zu testen, ob Dichloressigsäure, kurz DCA, verträglich für Patienten ist, ob sie wirklich wirkt, und wenn ja, bei welchen Krebsarten, wären große Studien mit Patienten nötig. Die kosten viel Geld.

Pharma-Unternehmen investieren normalerweise gerne Multimillionen in ein Kandidatenmedikament mit dem Potenzial von DCA. Aber der einfache chemische Name lässt ahnen, was das Problem ist. Dichloressigsäure ist ein längst bekannter Stoff, er wurde schon vor Jahrzehnten als Medikament gegen Stoffwechselstörungen eingesetzt, alle Patente sind abgelaufen, er ist billig herzustellen, niemand hat ein Monopol. DCA verspricht also keine großen Gewinne. Big Pharma ist nicht interessiert, eher im Gegenteil, und Michelakis muss seine Studien über Spenden finanzieren. Gerade erschien in Science Translational Medicine eine Studie von ihm und seinen Mitarbeitern – finanziert fast komplett von Privatleuten und Stiftungen. Nur fünf Patienten konnten teilnehmen – und an der Mitteilung der Uni hängt schon der nächste Spendenaufruf. Immerhin, es ist die erste klinische DCA-Studie, also an Patienten, nicht an Zellen oder Ratten. Solche Phase-I-Studien sollen eigentlich nur testen, ob das Mittel vertragen wird. Es wurde. Mit der Nebenwirkung, dass bei vier der fünf Patienten der Tumor nicht weiter wuchs, bei dreien sogar schrumpfte. Rein statistisch könnte dieses Ergebnis wegen der kleinen Teilnehmerzahl purer Zufall sein. Aber so ein Zufall ist hier eben nicht wahrscheinlich: Alle fünf Patienten hatten Glioblastome in fortgeschrittenem Stadium. Es ist die Art Hirntumor, an der US-Senator Ted Kennedy starb. Eine der aggressivsten Krebserkrankungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose beträgt etwa ein Jahr. Ist es möglich, dass in diesem billigen und wohl auch verträglichen Stoff ein größeres Potenzial steckt als in all den einst so viel versprechenden Krebsmitteln, die seit dem Beginn des „War on Cancer“ vor vier Jahrzehnten auf den Markt kamen? Alle wirken irgendwie, aber meist nur kurz. Die Sterbestatistik bleibt ernüchternd. Krebspatienten überleben heute kaum länger als vor 40 Jahren, echte Heilung war und bleibt die Ausnahme.
Reaktivierte Selbsttötung

DCA und ein paar andere Substanzen unterscheiden sich grundsätzlich von den klassischen Chemotherapeutika, die schlicht Zellen vergiften, und von Mitteln, die auf genetische Veränderungen spezieller Tumore zielen: Sie nutzen erstens eine universale Eigenschaft bösartiger Tumore aus, die der deutsche Chemie-Nobelpreisträger Otto Warburg schon vor 80 Jahren als wichtigste Schwäche des Krebses interpretierte, nämlich ihren eigentümlichen Stoffwechsel. Fast alle Tumorzellen gewinnen ihre Energie durch Gärung, und nicht, wie gesunde Zellen, durch Atmung in den Mitochondrien. Nur so entgehen sie dem Schicksal, das entarteten Zellen sonst ereilt: die programmierte Selbsttötung. Ex vivo untersuchtes Tumorgewebe von 49 Patienten stellte unter DCA durchweg wieder auf Atmung um. Prompt wurde das Suizidprogramm der Zellen reaktiviert – wohl deshalb wuchsen auch die Tumore der Patienten nicht weiter oder schrumpften sogar. Der zweite Grund, warum Stoffwechselmedikamente wie DCA mehr versprechen könnten als manches teuer erforschte und teuer verkaufte Mittel, sind die Experten. Und zwar jene, die solche Ansätze eben noch mit Spott oder zumindest scharfer Kritik bedachten. Der Amerikaner Robert Weinberg, ein Pionier der auf Genveränderungen zielenden Krebstherapie, machte Warburgs Thesen in seiner Autobiografie lächerlich. Heute berät er ein Unternehmen, das auf Grundlage dieser Thesen Krebsmedikamente entwickelt. Leonard Lichtenfeld von der Amerikanischen Krebsgesellschaft verlangt mehr Forschung auf dem Gebiet. Vor drei Jahren hatte er jene, die öffentlich Hoffnung in DCA setzten, noch als „verachtenswert“ bezeichnet. Und Science erkannte den Krebsstoffwechsel kürzlich als eines von fünf Forschungsgebieten, auf denen in naher Zukunft echte Durchbrüche zu erwarten seien.

Warum Leute wie Michelakis ihre Forschung trotzdem weiter mit privaten Einzelspenden finanzieren müssen, ist schwer nachvollziehbar. Es ginge zwar auch auf dem traditionellen Weg. Längst gibt es Firmen, die ganz neue, im Krebsstoffwechsel wirkende Substanzen suchen. Die wären ja auch patentierbar und lukrativ. Es wird nur sehr lange dauern, bis das erste dieser Mittel die Mühlen der klinischen Forschung erfolgreich durchlaufen hat. Für die meisten der heute Krebskranken, ist das zu spät. Größere Studien mit DCA könnten dagegen schon bald zeigen, ob das Mittel sein Potenzial bestätigt. Nur müssten diese Studien eben auch finanziert werden. Wer dem Griechen in Kanada Geld überweist, kann sich einigermaßen sicher sein, das es gut angelegt ist.




Quelle : http://www.freitag.de/wissen/1020-stell ... iner-zahlt
Benutzeravatar
pkw
 
Beiträge: 63
Registriert: Sa 3. Okt 2009, 23:16
Wohnort: Weimar

Re: Dichloressigsäure (DCA) bremst Wachstum von Tumoren

Beitragvon Olli » Di 1. Jun 2010, 07:37

Ärzte der Universiätsklinik Münster warnen vor einer Verwendung von DCA zusammen mit Standard-Chemotherapeutika wie Temozolomid (Temodal), Cisplatin oder Doxorubicin, da Dichloressigsäure deren Wirkung einschränken kann

Dichloroacetate metabolically targeted therapy defeats cytotoxicity of standard anticancer drugs.
CONCLUSIONS: Our results indicate that apart from the intriguing effects of DCA on the glucose metabolism of cancer cells, the use of DCA for cancer treatment has to be evaluated carefully. Moreover, compassionate use of the orally available drug by patients with cancer themselves without medical supervision is strongly discouraged at present.


Quelle und vollständiger Abstract: http://www.springerlink.com/content/p6216n1205667w62/
Benutzeravatar
Olli
Administrator
 
Beiträge: 349
Registriert: Sa 3. Okt 2009, 10:04
Wohnort: Mühltal



{ SIMILAR_TOPICS }


Zurück zu Presse und Neues aus der Wissenschaft



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste