Linz, Ute
Hirntumoren: Weitere Studien nötig
BRIEFE
Zu dem Beitrag „Gliome: Neue Therapieformen sind dringend erforderlich“ von Dr. med. Vera Zylka-Menhorn in Heft 30/2005:
. . . Die inhärente Chemoresistenz von Glioblastomen lässt es besonders wichtig erscheinen, diejenigen Patienten zu ermitteln, die auf ein bestimmtes Chemotherapeutikum ansprechen. Selbst die viel versprechende Substanzklasse der Tetrazine, zu denen Temozolomid gehört, wirkt nur bei weniger als der Hälfte der Glioblastome. Tumormaterial vorab auf Chemosensitivität beziehungsweise -resistenz zu testen, ist noch immer eine seltene Ausnahme. Dabei erlauben so genannte CSRAs (chemosensitivity and resistance assays) – ähnlich wie Antibiogramme in der Infektiologie – den Ausschluss vermutlich unwirksamer Substanzen bereits im Vorfeld der Behandlung. Es hat sich gezeigt, dass im Falle ausgeprägter Resistenz in vitro die Wahrscheinlichkeit für Resistenz in vivo bei circa 99 Prozent liegt. Andererseits erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Chemotherapeutikum im Patienten anspricht, auf 60 bis 70 Prozent, wenn die Tumorprobe unter In-vitro-Bedingungen sensitiv ist. In einer ersten Studie, in der eine CSRA-basierte Chemotherapie bei Glioblastom-Patienten zum Einsatz kam, lag der Median der Überlebenszeit bei 20,5 Monaten. Molekularbiologische oder Gentests werden in der Zukunft wahrscheinlich die zellbasierten CSRAs ersetzen, nicht zuletzt, weil sie nicht so zeitaufwendig und leichter zu automatisieren sind. Andererseits braucht man für einen CSRA weder den zugrunde liegenden Resistenz-Mechanismus noch die beteiligten Gene zu kennen (zum Beispiel ist MGMT nur einer von mehreren Faktoren für die Resistenz von Alkylanzien), um ein verwertbares Ergebnis zu bekommen. Angesichts der hohen Kosten mancher Chemotherapeutika (Temozolomid kann die Therapiekosten im Vergleich zur reinen Strahlentherapie verachtfachen) erscheinen die zusätzlichen Aufwendungen für einen CSRA (zurzeit circa 1 000 Euro) vertretbar, wenn sich damit die Auswahl geeigneter Substanzen verbessern lässt. Ich werbe schon seit geraumer Zeit für diese Tests speziell bei Glioblastomen und würde mich freuen, auch auf diesem Weg Interessenten für eine Studie zu finden, bei der eine individualisierte Radio-/Chemotherapie mit einer empirischen Kombinationstherapie analog der EORTC-Studie verglichen werden soll.
Literatur bei der Verfasserin
Dr. med. Dr. rer. nat. Ute Linz, Forschungszentrum Jülich,
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... p?id=48585