19.03.2010
Gehirntumor: Wirkmechanismus des körpereigenen Proteins ?2-Macroglobulin
identifiziert
*Nach etlichen Jahren intensivster Zusammenarbeit haben Wissenschaftler
der Universität Leipzig und des Fraunhofer-Institutes für Zelltherapie
und Immunologie IZI die Funktionsweise eines körpereigenen Blutproteins
bei einem der gefährlichsten Gehirntumore entschlüsselt. Das Augenmerk
des 10-köpfigen Leipziger Forschungsteams liegt auf der Beeinflussung
des malignen Zellwachstums der Gliazellen. *
Diese bilden das Stützzellengewebe, in welchem die Nervenzellen des
Gehirns eingebettet sind. Das entartete Wachstum der Gliazellen
charakterisiert einen der bösartigsten Gehirntumore, da es unter anderem
mit einem exzessiven und gefährlichen Wachstum der Blutgefäße und einer
Penetration ins Nervenzellgewebe einhergeht.
Beeinflusst wird das invasive Zellwachstum durch die Gabe eines
körpereigenen, aus dem menschlichen Blut gewonnenen, Proteins namens
?2-Macroglobulin. Dieses Protein kommt in zwei unterschiedlichen Formen
im Blut vor, von denen nur das sogenannte transformierte Protein die
Hemmung von Tumorzellen bewirkt. Dieses dockt an einem spezifischen
Rezeptor auf den
Zelloberflächen an und hemmt dadurch den Wnt/ß-catenin Signalpfad, der
für die Aktivierung tumorfördernder Gene im Zellkern verantwortlich
gemacht wird. Die Proteine des Wnt-Signalwegs sind daher wichtige
Zielscheiben für eine Krebsprävention und -therapie geworden.
Tausende Substanzen bzw. chemische Verbindungen sind bisher mehr oder
weniger erfolgreich in diesem Zusammenhang getestet worden. »Wir konnten
zum ersten Mal zeigen, dass ein körpereigenes Protein im menschlichen
Blut existiert, das diese Funktion erfüllt«, so Professor Birkenmeier,
Institut für Biochemie in Leipzig
(Gerd.Birkenmeier@medizin.uni-leipzig.de
<mailto:Gerd.Birkenmeier@medizin.uni-leipzig.de>) und der entscheidende
Kopf des Projektes.
Vorteil dieser Entdeckung ist ein weitestgehend nebenwirkungsfreier
therapeutischer Einsatz, da körpereigene Mechanismen simuliert und somit
keine toxikologischen Reaktionen erwartet werden. Universität und
Fraunhofer-Institut IZI streben nunmehr eine Zusammenarbeit mit
pharmazeutischen Unternehmen an, um ein entsprechendes Medikament zu
entwickeln. Birkenmeier: »Trotz des vielversprechenden Forschungsstandes
wissen wir sehr wohl, dass noch eine Vielzahl von Studien vor uns liegt,
bevor mit einer Markteinführung eines Medikamentes zu rechnen ist.«
Quelle: journalonko (Journal der Onkologie, Zugang nur für Ärzte und Apotheker)