Der Begriff anaplastisches Astrozytom bezeichnet einen Tumortyp, der das Zentralnervensystem befällt. Es handelt sich um einen primären Hirntumor. Das heißt, dass es sich um ein im Hirngewebe entstehendes, normabweichendes Wachstum von Körpergewebe handelt. Als refraktär werden Tumore bezeichnet, wenn sie auf eine vorherige Bestrahlung oder Chemotherapie oder auf eine andere Behandlungsform nicht angesprochen haben. Die Bezeichnung rezidivierend weist darauf hin, dass Tumore nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung erneut aufgetreten sind. Die Behandlung eines rezidivierenden oder refraktären anaplastischen Astrozytoms bleibt weiterhin eine Herausforderung, und es werden medizinische Lösungen benötigt, um die Lebensqualität der von dieser schweren Krankheit betroffenen Patientinnen und Patienten zu verbessern und ihre Überlebenszeit zu verlängern.
Die momentan durchgeführte SAPPHIRE-Studie ist ausschließlich auf Patientinnen und Patienten ausgelegt, bei denen die Diagnose eines refraktären oder rezidivierenden anaplastischen Astrozytoms gestellt wurde. Die Abkürzung SAPPHIRE leitet sich aus dem englischen Titel der Studie ab, der auf Deutsch lautet: Wirksamkeit und Sicherheit von AP 12009 bei Erwachsenen mit rezidivierendem oder refraktärem anaplastischen Astrozytom (WHO-Grad III) im Vergleich zur Standardversorgung mit Temozolomid oder BCNU: Eine randomisierte, aktiv kontrollierte offene Studie der Phase III. Die Studie dient dazu, bei diesen Patientinnen und Patienten die Wirksamkeit und Sicherheit von Trabedersen (AP 12009) und dessen Effekt auf die Lebensqualität zu bewerten, und mit den Standard-Chemotherapien zu vergleichen. Patientinnen und Patienten werden nach dem Zufallsprinzip auf eine von zwei Behandlungsgruppen aufgeteilt:
1. Trabedersen (AP 12009);
2. Standardchemotherapie – orales Temozolomid [TMZ] (oder intravenöses BCNU, wenn zuvor mit TMZ behandelt wurde oder wenn die TMZ-Therapie nicht angemessen ist).
Die Gabe von Trabedersen erfolgt anhand der so genannten „Convection Enhanced Delivery“ (CED) Methode, wobei das Arzneimittel direkt in das Hirngewebe geleitet wird (Abbildung 1). Der Wirkstoff wird dabei zielgenau auf den Tumor gerichtet. Dadurch wird umgangen, dass der Wirkstoff durch die das Gehirn schützende Barriere transportiert werden muss, die als die Blut-Hirn-Schranke bezeichnet wird. Teilnehmer an der SAPPHIRE-Studie, die mit Trabedersen behandelt werden, unterziehen sich einem minimal chirurgischen Eingriff, bei dem das System für die Arzneimittelgabe platziert wird.
Abbildung 1. Bestandteile des Systems zur Arzneimittelgabe von Trabedersen und chirurgischer Eingriff
* Teile an der Körperoberfläche (1, 2): Die tragbare Infusionspumpe (1) enthält einen Vorratsbehälter mit Trabedersen. Die Pumpe ist an eine Infusionsleitung (2) angeschlossen, der mit der Portkammer (3) verbunden ist.
* Implantierte Teile (3–5): Die Portkammer (3) wird unter der Haut vorne auf dem Brustkorb eingesetzt und an den Portkatheter und den intratumoralen Katheter (4) angeschlossen. Die Katheter liegen unter der Haut und enden in dem Hirntumor (5).
Das System für die Arzneimittelgabe von Trabedersen umfasst eine tragbare Pumpe, die an einem Gürtel um Ihre Taille befestigt werden kann, so dass Sie sich ungehindert bewegen können. Dies bedeutet, dass Sie das Krankenhaus nur einmal pro Woche aufsuchen müssen und ansonsten Ihren normalen Tätigkeiten nachgehen können. Die Behandlung mit Trabedersen dauert maximal 21 Wochen.