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Der Geißel Krebs Paroli bieten

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Der Geißel Krebs Paroli bieten

Beitragvon pkw » Mi 27. Jul 2011, 15:27

Der Geißel Krebs Paroli bieten
Über Viren, die Krebszellen fressen, und im Körper vagabundierende Stammzellen, die Chemotherapie alt aussehen lassen: ein Besuch bei der Heidelberger Spitzen-Krebsforschung.

Die genetische Geißel Krebs könnte in Heidelberg ihre Meister finden. Dort liegt das deutsche Krebsforschungs-Zentrum (DKFZ) mit 3000 Mitarbeitern, in dessen Spital sich auch der an Prostatakrebs erkrankte ägyptische Ex-Präsident Hosni Mubarak behandeln ließ. Dort ist auch das Europäische Molekularbiologie-Labor (EMBL) mit 1500 Beschäftigten, das genetische Mechanismen der Krebsentstehung erforscht.

Einer, der dem unheilvollen Werk des Krebses dicht auf der Spur ist, ist Jörg Schlehofer, Leiter der Tumorvirologie im DKFZ. Anders als bei der (umstrittenen) Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, bei der es um den krebserregenden HPV (humanen Papillomvirus) geht, beschäftigt sich Schlehofer mit Viren, die Krebszellen töten, gesunde Zellen aber leben lassen. Dazu hat sich Schlehofer den schwer behandelbaren Hirntumor, das Glioblastom, ausgewählt. Speziell konstruierte, besonders kleine Paro-Viren machen sich über den Tumor her und töten sogar die Stammzelle, die die Keimzelle des Tumors ist.

Sie ist eine besonders gefinkelte Zelle. Bis vor einiger Zeit wähnte man sie nur im Basis-Erbgut und in der Nabelschnurblut von Neugeborenen. Doch auch Wissenschafter Andreas Trumpp vom DKFZ, Leiter der Stammzellenforschung, bestätigt, dass einige wenige Stammzellen quasi vagabundierend im Körper jedes Menschen als „Schläfer“ zirkulieren. Sie teilen sich extrem langsam, alle 18 bis 20 Jahre. Entarten sie genetisch, sind sie Keimzellen von Krebs. „Chemotherapie tötet aber nur sich teilende, aktive Zellen“, sagt Trumpp. Das Fatale ist, dass Chemotherapie wohl die Krebsgeschwulst schrumpfen lässt, die bösartig gewordene Stammzelle aber lebt weiter. Die könne dann oft Jahre später wieder aktiv werden.

Ein Weg, auch die genetisch entgleiste Stammzelle zu töten, ginge über Interferon. Dieser Eiweißbaustein stimuliert Zellen und würde auch Stammzellen „aufwecken“, um sie für Chemotherapie empfänglich zu machen. Doch wie sollte man zwischen „guten“ und „bösen“ Stammzellen unterscheiden? Daran arbeiten die Krebsforscher. Sicher ist, dass Krebs nicht gleich Krebs ist, sondern zumeist in einer ganz persönlichen, individuellen Ausprägung daherkommt.

Die Einteilung in Klassen, wie beim Brustkrebs mit den unterschiedlichen hormongesteuerten Therapien, ist dabei nur eine Krücke, sagt auch Carsten Schultz, Gruppenleiter für chemische Biologie am Molekularforschungsinstitut EMBL. Deshalb werde es in einigen Jahren ganz normal sein, dass jeder Patient sein eigenes genetisches Datenblatt hat. Eine Analyse würde in wenigen Jahren um 1000 bis 2000 Euro pro Patient machbar sein, sagen die Wissenschafter.



Krebs-Grundlagenforschung: Europas genetische Denkfabrik ist in Heidelberg

Hinter dem unscheinbaren Namen Europäisches Molekularbiologie-Labor (EMBL) in Heidelberg verbirgt sich eine Denk- und Forschungsfabrik mit 1500 Mitarbeitern, die an der sich überschlagenden Entwicklung in der Erforschung genetischer Vorgänge und damit auch Krebs maßgeblich Anteil hat. Wie das Kernforschungszentrum Cern in Genf ist das 1974 gegründete EMBL länderübergreifend. 20 Mitgliedsstaaten, darunter auch Österreich, entsendet Wissenschafter, die ihr Wissen wieder zurück in ihre Heimat tragen sollen. Niemand darf länger als neun Jahre bleiben: dies auch, um nicht betriebsblind zu werden. Das Budget beträgt 183 Millionen Euro. Österreichs Beitrag umfasst zwei Millionen Euro. Es wird ausschließlich Grundlagenforschung betrieben, um in kein Abhängigkeitsverhältnis zur Pharma-Industrie zu kommen.



Meinungen:

Iain Mattaj, Generaldirektor des EMBL, des Europäischen Molekularbiologie-Instituts in Heidelberg: "Wir betreiben Grundlagenforschung, die unseren Mitgliedsstaaten und damit auch Österreich zugute kommt."

Jörg Schlehofer, Leiter der Tumorvirologie im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ): "In einigen Jahren wird die Genom-Analyse von Krebszellen Standard sein."



Quelle : http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesu ... 114,676265
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