David Capper, Hanswalter Zentgraf, Jörg Balss, Christian Hartmann und Andreas von Deimling haben einen neuen monoklonalen Antikörper entwickelt, der zur Diagnose von Astrozytomen und Oligodendrogliomen verwendet werden kann. Diese bösartigen Neubildungen, die von der Neuroglia, dem Stütz- und Nährgewebes des Gehrins ausgehen gehören zur Gruppe der Gliome, die etwa 20 Prozent aller Hirntumore ausmachen.
Während der erste Verdacht auf einen Hirntumor in aller Regel mit einem bildgebenden Verfahren (z.B. MRT-Aufnahme) bestätigt wird, muss zur genauen Diagnose eine Gewebeprobe des Tumors entnommen werden.
Fast 70 Prozent aller Astrozytome und Oligodendrogliome tragen eine Veränderung im Gen für das Enzym IDH1 (Isocitrat Dehydrogenase). Von allen IDH1-Mutationen betreffen 90 Prozent exakt den gleichen Aminosäurebaustein an Position 132 des Enzyms.
Außerdem haben Forscher gemeinsam mit Professor Wolfgang Wick, dem Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroonkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums, kürzlich festgestellt, dass Mutationen des Enzyms IDH1 bei Astrozytomen und Oligodendrogliomen mit einem günstigen Verlauf der Erkrankung einhergehen (Anaplastische Gliome: Neuer positiver Prognosefaktor IDH1-Mutation).
Andreas von Deimling und seine Kollegen von der Universität Heidelberg haben in Zusammenarbeit mit Hanswalter Zentgraf, einem Antikörperspezialisten des Deutschen Krebsforschungszentrums einen monoklonalen Antikörper entwickelt, der sich nur dann an das Enzym IDH1 andocken kann, wenn auch eine entsprechende Mutation an Position 132 vorliegt. An ein Enzym ohne Mutation bindet sich der Antikörper nicht. Ein weiterer Vorteil des neuen Antikörpers ist, dass er auch an Gewebeschnitten reagiert, die in Paraffin eingebettet sind.
Anhand der Antikörperreaktion, die auch bereits bei wenigen Krebszellen im Gewebe der Tumorrandregion erfolgt, können Ärzte nun auch mit schwierigem Probenmaterial mit Sicherheit ein Astrozytom oder Oligodendrogliom feststellen. Im weiteren Verlauf sind nun Studien geplant, ob man aufgrund dieser Erkenntnisse entsprechend angepasstere Therapien durchführen kann. Andreas von Deimling will sich in seiner weiteren Forschungstätigkeit noch eingehend mit dem neuen Antikörper beschäftigen. "Nun wollen wir herausfinden, ob und wie die IDH1-Mutationen an der Entstehung von Krebs im Gehirn beteiligt sind", erklärt der Neuropathologe.
Weitere (kostenpflichtige) Informationen: http://www.springerlink.com/content/j7787055q0p721w6/ (Monoclonal antibody specific for IDH1 R132H mutation)